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Das Netz: Metapher und Medium
«Netz» ist eine verfängliche Metapher.
Spinnen spinnen Netze um ihre Beute zu fangen. Fischer knüpfen
Netze nach dem Vorbild der Natur. Das Netz kann Falle oder Gefängnis
sein.
Die Natur braucht Netze aber auch zum Überleben: Waldameisen vernetzen
ihre Bauten mit Strassen über Dutzende von Kilometern um Nahrung
und genetische Kommunikation sicherzustellen. Mein Grossvater
schleppte das Wildheu in Netzen vom Berg.
Netze dienen der Rettung: Den stürzenden Zirkusakrobaten fängt
das Netz auf und abgestürzte Bergsteiger heben die Retter mit
Netzen aus der Felswand.
Herrschaft über die Natur
Technische Netze dienen dem Menschen, wie der Technikhistoriker
David Gugerli zeigt, vor allem der Beherrschung der Natur durch
den Menschen. «Der Umgang des 19. Jahrhunderts mit Natur kann
am besten als Versuch einer systematischen Naturbeherrschung durch
technische Netzwerke beschrieben werden», schreibt er in seinem
Buch «Redeströme», einer Geschichte Elektrifizierung der Schweiz.
Die Vernetzung beginnt mit den geografischen Triangulationsnetzen,
einem virtuellen Netz, das man über die reale Landschaft wirft.
Weiter geht sie mit den Eisenbahnnetzen, den Telegrafennetzen,
den Elektrischen Netzen, den Telefonnetzen und führt bis zu Internet
und den zellulären Mobiltelefonnetzen.
Im Netz verstrickt
Nun befinden wir uns im 21. Jahrhundert und die Rede ist von Netzwerken
wie nie zuvor. Alles vernetzt sich, von den alternativen Biobauern
bis zum Technologiekonzern und den schreibenden Frauen. «Vernetzt
sein» ist heute ein rundum positiv besetzter Begriff, was am allerbesten
die Werbung begriffen hat. Wer nicht vernetzt ist, muss zumindest
vernetzt denken.
Kürzlich wurde am Radio ein vernetzter Bergbauer vorgestellt,
der seine Produkte über Internet vermarktet. Da hat man dann doch
das Gefühl, das Netz sei die letzte Rettung für eine untergehende
Kultur.
Doch ich gewinne immer mehr den Eindruck, nicht nur die Natur,
sondern die menschliche Natur, das heisst der Mensch selber, sei
von Netzwerken beherrscht, in sie verstrickt, in ihnen gefangen.
So wie der Löwe in der Fabel vom Löwen und der Maus.
Die Frage ist also: Bin ich Fischer oder Fisch? Bin ich ein Fänger
oder ein Gefangener? Oder beides zugleich?
Ich meine: Wir sind nicht nur vernetzt, sondern auch verstrickt.
Wir sind Löwen im Netz und ob uns eine Maus rettet, wie in der
Fabel, ist fraglich. (Eine Ratte nagte übrigens am 11. Oktober
1996 im Silicon Valley eine Datenleitung an und legte die Netze
während 24 Stunden lahm.)
Netze dienen dem Überleben. Wie den Ameisen, den Spinnen und meinem
Grossvater und seinem vernetzen Nachfolger. Schon können wir uns
ein Überleben ohne Internet kaum mehr vorstellen, obwohl wir es
erst seit wenigen Jahre nutzen und alle den grössten Teil unseres
Lebens netzlos verlebt haben.
Vom Netz bestrickt
Ich möchte zuerst von meiner eigenen Verstrickung oder Bestrickung
sprechen.
Computernetze nutze ich schon lange, Computer noch viel länger.
Seit den 60er Jahren, als sie noch nicht vernetzt waren, sondern
grosse, isoliert vor sich hin rechnende Maschinen.
Vor Jahren schon habe ich die Metapher geprägt: Die fesselnde
Maschine. Die Maschine, die uns fesselt, in Bann schlägt, uns
aber auch Fesseln anlegt. Uns an sich bindet durch Abhängigkeit.
Zum Beispiel der Abhängigkeit eines Unternehmens von Computerleistung.
Computer haben mich gefesselt: Als technisches sowie auch also
soziales Phänomen. Das Aufkommen der kleinen, persönlichen Computer
um die Achtzigerjahre empfand ich als Befreiungsschlag: Demokratisierung
der Computerleistung und Kompetenz. Jedermann und jeder Frau erschwinglich.
Demokratisierung der Informationen und Daten. Mit BASIC hatte
man die Maschine im Griff. Die Macht der grossen, alles beherrschenden
Konzerne schien für einen historischen Augenblich gebrochen. Es
herrschte Aufbruchstimmung in Garagen, an Universitätsinstituten
und in Klassenzimmern.
Mit der Vernetzung haperte allerdings noch. Die ersten Computernetze
waren technisch und inhaltliche langweilige Gebilde. Aber man
quälte sich durch so Strukturen wie Comnet oder Videotex oder
Multimedia Heidiland vor allem, um dabei zu sein, ja nicht durch
die Maschen zu fallen.
Ein beispiehaftes technisch/soziales Experiment für diese Zeit
war das 100-Millionen Projekt der Kommunikations-Modellgemeinden
KMG der damaligen PTT. (Ich machte da ein bisschen Begleitforschung
.) Das vor allem eines zeigte: Ideen wie E-Learning, E-Gouvernement,
E-Commerce waren vorhanden. Ihre Umsetzung scheiterte durchs Band
an der wenig tauglichen Technik und der fehlenden Diffusion der
Technik und des Know How.
FaWWWszination
Internet war dann tatsächlich ein Quantensprung. Auch für mich
persönlich. Ich erinnere mich gut, wie ich 1995 eine Diskette
bestellte, sie einschob, ein paarmal klickte, und dann online
war. (Und mich selber im Netz fand, in Bild und Text, auf einer
Bergsteiger-Site). Ein paar Wochen schlafloser Nächte folgte.
Eine Euphorie wie noch nie zuvor hatte mich gepackt.
Denn ich begriff: Das ist ein neues Medium. Das ist das, worauf
wir gewartet haben. Das, was man uns seit Jahren versprochen aber
nie geschenkt hat. Die Faszination wischte meine Skepsis weg,
die ich stets gegenüber technokratischen Lösungen empfinde.
Denn das World Wide Web, das Internet erst zum brauchbaren Netz
machte, kam nicht von den Grossen, sondern von ein paar kleinen
aber genialen Forschern und Tüftlern.
Das WWW war:
- Einfach. Einfach zu benutzen, es war einfach selber etwas zu
präsentieren. Es brauchte (anfänglich) keine Handbücher, Internet
war selbsterklärend.
- Offen. Da schien die alte aufklärerische Utopie in Griffnähe,
nämlich dass alles Wissen der Welt für alle Menschen greifbar
sei. Gratis und franko.
- Billig. Die Apparaturen und Anschlusskosten waren erschwinglich.
- Interaktiv. Jeder konnte sich seine Site aufbauen, jeder konnte
senden und empfangen.
- Chaotisch/kreativ. Alles war im Fluss, die Ideen sprudelten,
kickten sich gegenseitig an.
- Neues Medium mit neuen Formen. Hypertext ermöglichte das Spielen
mit ganz neuen Arten von Informations- und Erzählstrukturen. Multimedial
und Schlagwort vernetzt. Manchmal habe ich das WWW mit einem
einzigen grossen Text verglichen, an dem die ganze Welt mitschrieb.
Sozusagen die Bibel des Computerzeitalters.
WWWelt im Rausch
Nicht nur ich war damals von dieser Euphorie, einem Rausch fast,
erfasst. Die ganze ganze technologisch orientierte Welt glaubte
plötzlich, alles Heil im rasend wachsenden und wuchernden Cyberspace
zu finden. Es bildete sich so etwas wie eine neue Religion heraus,
die in der Datenwelt die Lösung aller Probleme erblickte: Eine
New Economy sollte die kränkelnden ökonomischen Strukturen hinwegfegen.
New Public Management und so weiter alle Grenzen sprengen und
die Weltgesellschaft neu organisieren. Globalisierung war das
Schlagwort! Geld strömte in die Technologie, vervielfachte sich
virtuell, beschleunigte, korrumpierte und zerstörte damit viele
der revolutionären Qualitäten der Entwicklung.
Vision Cyberia
1996 lebte ich ein halbes Jahr in London und glaubte dort bereits
die Anzeichen des Umschwungs zu erkennen. Ich besuchte oft ein
Internet-Kaffee namens Cyberia, es war eine Kultstätte damals.
Es gab guten Kaffee, Kuchen, Zeitungen, Blumen auf den Tischen,
nette Bedienung, die auch technisch Bescheid wusste, es gab Computer
mit Netzzugang. Man traf Menschen, man plauderte auch real und
chattete nicht nur virtuell. Eine Vision, die mir schon lange
durch den Kopf geisterte, nämlich die soziale Verknüpfung von
Informationstechnologie und realer Begegnung, schien da wirklich
geworden.
Grosskapital und Konzerne glaubten Internet als Rettungsnetz für
die ökonomischen Krisen der frühen Neunzigerjahre entdeckt zu
haben, versuchte mit viel Geld aus der chaotisch-kreativen virtuellen
Welt eine globale PR- und Businessmaschine zu machen.
Auch die Gründerinnen von Cyberia, Eva Pascoe und Gene Teare,
witterten das grosse Geld, suchten die entsprechenden Kontakte
mit Banken und scheiterten schliesslich in ihrem Anspruch, «ein
Cyberia in jeder Stadt der Welt» einzurichten.
Heute finden Sie in London Internet-Salons wo ein paar hundert
Leute vor ein paar hundert identischen Flachbildschirmen sitzen,
in Reih und Glied und ohne Kommunikation untereinander. Keine
Blumen, kein Kaffee, kein Kuchen. Das ist keine Utopie mehr, sondern
eher eine negative Vision aus Orwells 1984.
Die soziale Form des Internet-Cafes hat sich allerdings andernorts
noch erhalten, wie ich höre vor allem in ärmeren Gegenden der
Welt, wo sich nicht jeder einen Computer oder oft nichtmal einen
Telefonanschluss leisten kann. In der Altstadt von Jerusalem habe
ich vor zwei Jahren noch einen so schönen Ort gefunden, geführt
von einem jungen Araber. Doch wer weiss, ob es das heute noch
gibt. Ich möchte es hoffen.
Mein Netz
Die bessere Welt hat das Netz jedenfalls nicht geschaffen, wie
viele während paar euphorischen Monate glaubten selbst ich,
der notorische Skeptiker. Viele Vorteile gewiss: Ich wohne im
Bergdorf und fühle mich doch in der Welt, recherchiere im Netz
und kommuniziere mit Freunden in aller Welt, verfüge so über mein
ganz privates globales Netzwerk.
Ich präsentiere Texte im Netz , kommuniziere mit Leser/innen.
Und wenn, wie kürzlich, eine Schulklasse aus Sibirien anfragt,
ob sie meine Kindergeschichten im Deutschunterricht verwenden
dürfe, dann freut mich das über alle Massen. Oder wenn ich in
Palästina via Netz einen Freund finde, den ich vor 20 Jahren aus
den Augen verlor. Oder in Israel einen Kletterpartner.
Mein Verhältnis zur Welt hat sich in den 7 Jahren, seit ich Internet
nutze, stark verändert: Ich reise mehr, ich pflege andere, viel
weitere Kontakte meine nähere Umgebung ist mir dadurch allerdings
weniger wichtig, weniger notwendig geworden.
Igal in Tel Aviv, Mahmoud in Ramallah, Kang in Seoul, Faezeh in
Washington, Alan in Boston, Hai in Ho-Chi-Minh-City. Diese Freunde
sind mir irgendwie näher als meine Nachbarn nebenan.
Netzalltag
Einerseits fühle ich mich gesellschaftlich unabhäniger, viel stärker
abhängig jedoch von einer sich ständig wandelnden technologischen
Umgebung.
Mittlerweile ist Internet nicht mehr so billig, auch nicht mehr
so einfach wie einst. Ich investiere sehr viel Zeit und Geld,
um der Entwicklung, den Versionen und Modellen, auch nur halbwegs
folgen zu können. Meine handgestrickte Homepage habe ich längst
durch einen etwas professionelleren Auftritt ersetzt, der aber
schon wieder hoffnungslos veraltet ist.
Und wie alle andern Netznutzer werde auch ich immer wieder von
Spam, unerwünschtem Mail, von Viren, falschen und echten Virenwarnungen,
geplagt. Denn das anfangs so friedliche Netz ist zum Schauplatz
eines ständigen Kleinkriegs mit Spam, Viren, Würmern, Trojanischen
Pferden wie Nimda, I love you, Code Red, Dark Avenger, Jerusalem
Virus ect. geworden. Die Angst, dass mein Anschluss plötzlich
tot ist, ja gar das ganze Netz in einem gigantischen Datengau
explodiert, ist durchaus real.
Auf dem Netz sein heisst heute auch, sich andauernd zu schützen,
Firewalls zu errichten, sich einzubunkern und einzuigeln das
Gegenteil von Offenheit also.
Es gibt heute auf Spiegel Online sogar eine Top-Ten-Liste der
Computerviren, «stündlich frisch».
(In London ging einmal mein Laptop kaputt und weil es ein Macintosh
war, dauerte die Reparatur einen Monat. (Macintosh ist allerdings
der beste Schutz gegen Viren.) Ich fühlte mich inmitten der Weltstadt,
dem Nabel der Welt, total abgeschnitten und isoliert, konnte nicht
arbeiten, nicht e-mailen, meine Website nicht unterhalten. Später
schrieb ich einen Roman, «Londons letzter Gast» , bei dem ich
durch einen Akt des Cyberterrorismus, wahrscheinlich islamischer
Terroristen, die ganze Informationsinfrastruktur der Stadt lahmlege
wie es etwa durch einen Angriff mit Viren oder einem Elektromagnetischen
Puls geschehen könnte. Man weiss, dass nach dem 11. September
die Aktivitäten von Cyberterroristen auf dem Netz beträchtlich
zunahmen. Das Pentagon wurde nicht nur real attakiert, sondern
es wird laufend virtuell angegriffen. Wie übrigens auch unsere
Parlamentarier und unsere Hochschulen.)
Cyber War
Das Netz als offene, demokratische Informationsplattform ist eine
Illusion geblieben. Jede Regierung unterhält heute Teams, die
den Cyberkrieg vorantreiben, Cyberwaffen entwickeln oder Schutzmassnahmen
dagegen. Terroristen wie etwa die pakistanischen Hackergruppe
G-Force oder die argentinischen «Silver Lords» unterhalten ihre
eigenen Netzwerke mit dem Ziel, zu stören und zu zerstören und
zu erpressen. Manchmal denke ich, der Ursprung des Internet im
militärischen Arpanet räche sich hier ein bisschen.
Kaum etwas hat die globale Abhängigkeit so illustriert wie das
Millennium-Problem, der Millennium-Bug. Ein simpler Denkfehler
aus einer Zeit, als man noch nicht «vernetzt» dacht oder noch
nicht weiter als bis übermorgen. Diese Liederlichkeit der Programmierer
(ich war da auch dabei) hat die Welt viele Milliarden, viel Arbeit
und unendliche schlaflose Nächte gekostet. Und wer glaubt, im
neuen Jahrtausend sei alles besser, hat sich geirrt. Computerfehler
plagen uns täglich so heftig wie Viren und Hacker.
Professor Rolf Pfeifer, Leiter des Labors für künstliche Intelligenz
der Universität Zürich, also sicher kein Technik-Pessimist, gibt
auf die Frage, ob uns Roboter in Zukunft nicht abhängig machen
würden, zu bedenken: «Die Computer haben uns längst verskavt.
Man danke nur an das Jahr-2000-Problem, wo uns die Computer dazu
zwangen, Milliardenbeträge auszugeben.»
Das Netz es ist ein Gemeinplatz ist nicht besser als der Rest
der Welt.
Beschleunigung
Aber es ist schneller. Und hier steckt meiner Meinung nach eine
der grössten Gefahren. Man kann die Kommunikationsnetze als globales
Feedbacksystem betrachten. Fast jede reale Aktion erzeugt heute
eine Reaktion im Datenraum, die wiederum auf die Realität zurückwirkt.
Wenn ich das Netz als ein weltweites Feedbacksystem betrachte,
kommt mir eine Erfahrung als junger Ingenieur in den Sinn. Ich
befasste mich damals mit Regelsystemen und hatte die Aufgabe,
ein komplexes elektronisches System zu stabilisieren. Auf den
ersten Blick glaubte ich, je schneller die Kommunikationsinstrumente
seien, die Fehlverhalten erfassen und Kontrollsignale auslösen,
desto stabiler müsse das Gesamtsystem werden. Bis ich aus Experimenten
und mathematischen Theorien lernte, dass mit dem Beschleunigen
des Feebacks das System erst recht aus den Fugen geriet. Wenn
man auf den Oszillografen schaute, sah das genau so aus wie heute
der Verlauf von Börsenkursen. Denn die heutigen Finanzströme auf
den Netzen folgen genau diesem Verhalten.
Taucht ein Gerücht auf über ein Unternehmen, es kann auch eine
Falschmeldung sein, verkaufen die Makler, die online sind, sogleich
ihre Aktien und der Kurs bricht ein. Ich bin überzeugt, dass zum
Beispiel auch das Swissair-Grounding durch solche allzu rasche
Überreaktionen überforderter Manager verursacht worden ist.
Slow is beautiful
Man darf ein Feebacksystem also nicht beliebig beschleunigen,
sonst ist die Katastrophe gewiss. Denn die Netze bewegen nur die
Daten schnell, die Wirklichkeit, die Menschen und die Dinge, sind
träger. Brauchen Zeit zu denken, sich anzupassen, zu lernen. Das
Gras wächst nicht schneller, auch wenn der Bergbauer vernetzt
ist. Seine Hühner legen auch nicht mehr Eier und die Ölreserven
der Welt vermehren sich nicht so rasch, wie die Speicherkapazität
der Supercomputer. Doch von den realen Dingen leben wir schliesslich.
Die Propheten der New Economy haben das allerdings nicht begriffen.
«Schnelligkeit, statt Präzision», hat einer ihrer wichtigsten
Vertreter in unserem Land immer wieder gefordert und damit eine
unserer traditionellen Qualitäten in Frage gestellt.
«Meine Manager dürfen auch Fehlentscheide fällen wenn sie nur
schnell entscheiden» ein anderer.
Beide haben inzwischen nicht nur Unternehmen der «New Economy»,
sondern auch solche mit alter Tradition in grosse Schwierigkeiten
gestürzt. Und sich dabei eine goldene Nase verdient.
«Entschleunigung» fordern deshalb viele ein bisschen längerfristig
denkende Geister, denn «Zeit sei das wichtigste aller Luxusgüter»,
schrieb Hans Magnus Enzensberger. Und der Medienwissenschaftler
Peter Glotz sieht gar einen «Kulturkampf zwischen Beschleunigung
und Entschleunigung» toben. Die literarische Metapher von der
«Entdeckung der Langsamkeit» ist durchaus wieder Mode.
«Small is beautiful» hiess ein politisch/ökonomischer Slogen der
Sechzigerjahre. Heute müsste es heissen «Slow is beautiful».
Selbstverständlich hilft das Netz auch dabei. Unter dem Stichwort
«Entschleunigung» finden Sie tausende von Hits im Web.
Das Unberechenbare
Wer ist Fisch und wer ist Fischer in diesem Netz?
Wer hat sich verheddert und wer befreit?
Wer ist der Löwe, wer die Maus?
Ist das Netz die Rettung, welches eine zerfallende Welt zusammenhält?
Ich wage keine Antwort, denn morgen wird schon wieder alles anders
sein. Gewiss ist in der Zeit der Computernetze jedoch eines: Noch
nie wurde auf der Welt so viel und so schnell gerechnet wie heute.
Und noch nie war die Welt so unberechenbar.
[ Copyright © Emil Zopfi ] |

Fisch oder Fischer im Netz?
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